Tissergate, 05.05.09  (8 km vor Zagora) 

Um 08h00 stand das Frühstück  für uns bereit. Das Wetter wieder wunderbar warm, blauer Himmel und Sonnenschein. Heute hiess es wider Abschied nehmen von unseren Gastgebern. Wir packten unsere Siebensachen und wieder alles auf die Motorräder. Das geht jetzt ganz schnell, denn wir wissen genau wo welches Teil verstaut werden muss. Noch ein letztes Foto vor dem Haus und ab ging es über die holprige Fahrpiste bis zur Hauptstrasse.  

Beim Torbogen von Merzouga machten wir noch einen Fotohalt, bevor wir weiter fuhren nach Rissani. In Rissani konnten wir am Bancomaten unsere Reisekasse wieder auffüllen. Es war auch noch Markt in der Souk, und so schwirrten die fliegenden Händler wie Bienenschwärme um die anwesenden Touristen und versuchten ihre Waren los zu werden. Wir haben uns aber schon an diese Situation gewöhnt, die überall immer gleich abläuft. Die Gespräche oder Verhandlungen sind dann immer wie ein Ritual, und wenn man klar macht, dass man nicht interessiert ist, so ziehen sie weiter. 

Benzin wollten wir in Rissani auch noch tanken, doch alle vier Tankstellen waren trocken und warteten auf den Tankwagen mit dem Nachschub. Es blieb uns nichts anderes übrig, als ins 16 km weit entfernte Erfoud zu fahren um dort die Maschinen aufzutanken.  

Voll getankt starteten wir dann unsere Fahrt auf der südlichsten Teerstrasse 250 km durch die Wüste. Trotzdem dass die Strasse in einem erstaunlich guten Zustand war, musste man immer auf Überraschungen gefasst sein. Die Landschaft war einzigartig. Weite Ebenen bis zum Horizont wechselten sich ab mit steinigen Passagen oder mit kurvigen Strecken durch Berge. Zum Teil waren die Berge in ihren Strukturen zum Verwechseln ähnlich wie diejenigen im Grand Canyon in den USA.  

In Alnif konnten wir nochmals auftanken, so dass auch Christa mit ihrer Maschine problemlos wieder aus der Wüste kam. Ganz selten kreuzten wir ein anderes Fahrzeug. Man kam sich sehr abgeschieden und einsam vor in dieser unendlichen Weite. Und trotzdem traf man plötzlich wieder auf ein paar Dromedare, die von Kindern in dieser Einsamkeit gehütet wurden. Wo wohnen wohl diese Kinder, denn Häuser konnten wir in der Nähe nirgends sehen.  Wir waren von der ganzen Fahrt enorm fasziniert und hielten zum Fotografieren auch immer wieder an. Dadurch benötigten wir viel Zeit und konnten unsere Marschtabelle nicht einhalten. Die Sonne stand schon sehr tief, als wir in Ouaouzagour in die Hauptstrasse, die von Ouarzazate nach Zagora führt, einbogen. Wir entschieden uns, beim nächste Hotel anzuhalten und nicht mehr bis nach Zagora durchzufahren. Denn es sind noch gut 70 km, und in allen Berichten und Reiseführern wurde von Fahrten in der Nacht abgeraten. Es gibt keine Strassenbeleuchtungen wie bei uns. Wenn es Nacht wird, dann ist es hier stockdunkel.  

Doch leider befanden wir uns in einem Gebiet mit sehr, sehr wenigen Hotels. Wir durchfuhren wunderschöne Ortschaften, die wie grosse Festungen gebaut waren, doch Hotels waren keine angeschrieben. Einmal fanden wir eine Hinweistafel für ein Gästehaus, doch die Zufahrt war für uns schlicht unmöglich. Erst musste ein tiefer Bachgraben durchquert werden und dann führte der Weg auf einer holprigen Sandstrasse zum Hotel. Das ganze nur mit einem 4x4 zu bewältigen, und die Maschinen am Strassenrand stehen lassen ging auch nicht. Also fuhren wir weiter.  In Tissergate war wieder ein Hotel in der burgähnlichen Stadt angeschrieben, doch auch hier war die Zufahrt schwierig. Die Dorfkinder versicherten uns jedoch, dass die Strasse sicher und gut sei. Das sagen sie aber überall und versuchen die Touristen für ein paar Dirams in irgendein Hotel zu lotsen.

Also liessen wir es bleiben und fuhren zum nächsten Haus, das mit einer Hinweistafel markiert war. Maison d’Hôtel Le Sauvage Nobel! Das tönt doch gut. Und die Zufahrt war zwar nicht geteert, aber auch für unsere Maschinen befahrbar. Sofort wurden wir sehr freundlich empfangen und man zeigte uns das Haus. Die Zimmer waren liebevoll eingerichtete kleine Schmuckstücke. Das ganze Haus (ein Riad) wie ein kleiner Palast gebaut mit einer sehr schönen Inneneinrichtung. Wir fühlten uns sofort wohl. Ja, es hat sich gelohnt nicht das erst beste zu nehmen….. 

Das Nachtessen wurde uns echt marokkanisch serviert. In einem schönen mit Teppichen ausgelegten Raum standen drei tiefe Tische mit jeweils vier Sitzkissen darum. Die Babusch (Hausschuhe) musste man vor dem Raum ausziehen.  Das Sitzen auf den Kissen war für uns ziemlich ungewohnt,  doch das  ganze Zeremoniell rund um das Essen war sehr eindrücklich und feierlich. Wir erlebten einen wunderschönen Abend in einer einzigartigen Umgebung und mit sehr freundlichen Gastgebern.  

Weiter geht es nun in Richtung Mhamid el-Ghizlane. Das liegt ganz am Ende dieser Strasse, am Rande der Wüste und nahe an de Algerischen Grenze.