Mhamid, 06.05.09
Das Thermometer zeigte am Morgen schon 26°C und die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Das Frühstück wurde uns wieder am kleinen marokkanischen Tischchen mit den Sitzkissen serviert. Das frische Gebäck, bestehend aus verschiedenen Fladenbroten und Pfannkuchen, wurde in der Hotelküche hergestellt. Es duftete herrlich durch das ganze Haus. Wir nahmen uns reichlich Zeit um dieses Frühstück so richtig zu geniessen. Wir haben uns heute Morgen kurz besprochen und entschieden, dass wir noch eine weitere Nacht in diesem Hotel bleiben werden. So konnten wir einen Ausflug ohne Gepäck nach Mhamid unternehmen.
Eine gute Strasse führte uns zuerst durch die Stadt Zagore, mit vielen Verkaufsständen entlang der Strasse. Auch grosse, kasernenartige Gebäudekomplexe der Armee stehen in Zagora. Durch die Nähe zur Algerischen Grenze, wurde dieser Ort ein wichtiger Stützpunkt der marokkanischen Armee.
Hinter Zagora führte die Strasse wieder direkt in die Wüste. Unendliche Weiten taten sich vor uns auf, die immer wieder von langen Gebirgsformationen abgegrenzt wurden. Mit Passübergängen wurden zwei steinige Bergketten überwunden. Die Strasse wurde nun immer enger, d.h. die Strasse blieb breit, doch der Teerstreifen wurde immer schmaler. Zum Teil so schmal, dass für uns das Kreuzen mit einem anderen Fahrzeug sehr schwierig wurde. Es ging aber problemlos, wenn das entgegenkommende Fahrzeug ein wenig vom Teerstreifen frei gab und auf seiner rechten Seite auf den unbefestigten Strassenteil auswich. Es kam uns vor, als ob man jedesmal seinen Teerstreifen mit seiner Position, oder Geschwindigkeit, oder Grösse, “verhandelte“, um dann dem Anderen ein bisschen von seinem Teerstreifen abzugeben. Vereinzelte Lastwagenfahrer liessen sich aber überhaupt nicht in “Verhandlungen“ ein, sondern brausten mit ihrem Gewicht und Grösse in halsbrecherischem Tempo auf uns zu, und beharrten eigentlich immer auf dem ganzen Teerstreifen. Hier war es gesünder nachzugeben und mit den Motorrädern auf den unbefestigten Streifen zu fahren…..
In Mhamid ist die Teerstrasse dann abrupt zu Ende. Ab hier gibt es nur noch Sandpisten für 4x4 Fahrzeuge, oder Kamele. Mhamid und Zagora waren früher wichtige Handelsplätze der Karawanen, die aus fernen Ländern die Ware durch die Sahara hierher brachten. Heute ist Mhamid bekannt als Startort für verschiedene Wüstentouren, sei dies mit Kamelen und zu Fuss oder auf die bequemere Art mit den 4x4 Fahrzeugen. Überall standen so selbsternannte Guides, die versuchten den ankommenden Touristen verschiedene Saharatouren oder Übernachtungen im Berberzelt anzubieten oder aufzuschwatzen. Im Internet Club hatte ich Gelegenheit, meine Berichte wieder mal auf die Homepage zu laden. In einem kleinen Raum waren 16 Arbeitsstationen auf kleinen PC-Tischchen ganz eng aufgereiht. Alles funktionierte einwandfrei. Auch Informatikkurse wurden angeboten, und das hier fast mitten in der Wüste…..
In einem kleinen Laden erstanden wir uns ein typisches Touareg-Kopftuch. Bei einem Tee zeigte uns der freundliche Händler, wie ein solches Tuch korrekt gewickelt und getragen wird. Wie echte Wüstensöhne Allahs sahen wir nun aus und flanierten durch die Strassen…
Das Thermometer kletterte nun auf beachtliche 34° C. Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Halt in Tamegroute, einem gut erhaltenen, befestigten Kasbha Städchen. Ein junger Guide führte uns durch die berühmte Koranbibliothek. Über 4000 wertvolle Bücher, die ältesten aus dem 11. Jahrhundert, stehen hier in ganz einfachen Glasvitrinen ausgestellt. Wunderschöne alte Schriften in arabischer, türkischer, ottomanischer oder andalusisch marokkanischer Sprache, mit zum Teil prunkvollen Goldverzierungen. Es gab Übersetzungen und Auslegungen des Korans, Bücher über Astronomie und Astrologie, Mathematik oder auch Pflanzenheilkunde und Poesie. Durch das trockene Klima musste der Raum auch nicht klimatisiert werden, und die Bücher bleiben trotzdem gut erhalten. Nach einem Rundgang durch die engen und zum Teil unterirdischen Gassen der Kasbha besuchten wir noch eine Töpferei. Mal sehen ob wir die beiden kleinen Schalen ohne Bruch nach Hause bringen werden.
Für das marokkanische Nachtessen hatten wir nun auch die richtige Kopfbedeckung. Wie Touaregs sassen wir auf den Sitzkissen und liessen uns mit einem excelenten Couscous mit Gemüse und Pouletfleisch verwöhnen. Auch der Hotelchef setzte sich anschliessend noch zum Tee zu uns, und wir hatten ein angeregtes Gespräch mit ihm über den Fortschritt durch den Staudamm, aber auch die Nachteile, dass die Flüsse unterhalb des Staudammes nun trocken sind. Die Palmen, die zum Teil von einer schlimmen Krankheit befallen sind und verdörren, oder über die Unterschiede der Politik von Marokko und der Schweiz……
Wieder ging ein sehr schöner und unvergesslicher Tag zu Ende.
Die Reise geht nun weiter durch das Draa Tal und über den Pass Tizi-n-Tinififit nach Ouarzazate. In der Nähe von Agdz hoffen wir auf Sabine De M. zu treffen, die ebenfalls in Cernier wohnt und uns in den Reisevorbereitungen behilflich war und uns mit wertvollen Ratschlägen und Typs versorgte.


