Boumalne-de-Dadès, 08.05.09
Der heutige Tag stand nicht unter einem sehr günstigen Stern für uns. Aber das hatte zum Teil seinen Ursprung schon am Vorabend beim Nachtessen auf der Terrasse im Souk-Quartier. Doch alles der Reihe nach.
Wie ich schon erwähnte, war es ein sehr einfaches Hotel. Ein Frühstück war nicht erhältlich, der Hotelangestellte empfahl uns aber die Restaurants in der Fussgängerzone. Nur um 08h00 waren diese noch nicht geöffnet, doch vor dem Hotel Bab Sahara, auf der Terrasse, waren verschiedene Leute beim Frühstück. Also nichts wie rein. Wir bestellten vier Frühstück, und weil mir von gestern Abend her ein bisschen komisch im Magen war, bestellte ich einen Tee. Dieser ungezuckerte marokkanische Minzetee, mit zusätzlich einem Minzezweig im Glas, war so stark, dass er meinen Magen nicht beruhigte, sondern mich den ganzen weiteren Weg begleitete…..
Vor dem Hotel auf dem Trottoire, umringt von einer grösseren Menschenmenge, bepackten wir unsere Motorräder. Besonders Christa mit ihrer Honda Shadow ist regelmässig die Attraktion der Leute, von den Männern wird sie ganz ehrfürchtig schon fast verehrt und von den Frauen stolz bewundert. Es kommt vor, dass sich auch verschleierte Frauen neben Christa und die Maschine stellen und dann ganz triumphierend zu den Männern schauen.
Bevor wir aus der Stadt fuhren, mussten wir noch auftanken, zur Apotheke und bei einer Bank etwas Geld abheben. Die Bank befand sich direkt vis-à-vis der Tankstelle und die Apotheke nebenan. Wir Männer hüteten die Motorräder und die Frauen erledigten den Einkauf. Doch plötzlich sahen wir über die Strasse, dass Christa ein Problem am Bancomaten hatte. Sie gestikulierte wie wild mit den Händen als ich zu ihr kam. Was war passiert? Sie wollte Geld abheben und die Transaktion ging gut bis zum Moment wo der Automat das Geld hätte ausspucken sollen. Genau in diesem Moment blockierte er. Der Bildschirm zeigte immer andere Bilder und meldete zwischendurch: „Bitte warten!". Doch alles warten nützte nichts - das Geld kam nicht raus. Der Bildschirm machte immer mehr Kapriolen. Jetzt zeigte er auch noch verschiedene Windows-Fenster an und sprang dann plötzlich in das Programm Word – aber Geld kam keines raus. Also ging ich in die Bank und stellte mich beim Schalter an. Als ich endlich an der Reihe war und unser Problem erklärte, schaute er mich ganz fragend an und erwiderte: „Monsieur, da kann ich nichts machen. Sie müssen dort anstehen und sich beim Chef-Guichet melden." Also stellte ich mich beim Chef am Pult in der Ecke an. Natürlich liess er mich erst mal warten. Als er mir dann zwischen zwei Kunden eine kurze Audienz gewährte erklärte ich ihm unser Problem mit dem Geldautomaten. Er erklärte aber sofort: "Monsieur, das ist kein Problem. Das kommt mit dem Automaten oft vor. Sie müssen keine Angst haben, das Geld ist auf eurem Konto nicht abgebucht worden!" Auf meine Einwände wiederholte er forsch freundlich: „Sie können hundertprozentig sicher sein, das Geld ist nicht abgebucht worden. Und ich kann jetzt auch nichts machen". Er liess mich stehen und bediente den nächsten Kunden…
Da wir aber seinen Beteuerungen nicht glaubten, machte Christa einen Anruf auf die Helpline der Bankkarte in die Schweiz. So konnte sie den Vorfall melden und registrieren lassen, denn wie es aussah wurde der Betrag abgebucht. Die Bank wird sich dann aber darum kümmern.
Nun konnten wir uns dann endlich auf die Weiterreise machen. Die Landschaft ist hier sehr karg. Zum teil glaubte man sich in Arizona, ähnlich die Farben der Felsen und der Bergstrukturen. Der grosse Stausee leuchte tief blau und hatte einen sehr starken Kontrast zu den rötlichen Ufern. Grosse Villen wurden dem See entlang gebaut, wie man uns sagte, von reichen Leuten aus Marakhesch. Auch ein grosser, sattgrüner Golfplatz wurde für diese Leute in diese Wüstenlandschaft gebaut. Wie sinnvoll eine solche Anlage in dieser Umgebung ist, lassen wir mal dahingestellt….
Unsere Fahrt führte uns auch durch das schöne Rosental. Die Rosenfelder leuchteten vor allem in einem schönen rot und ihr zarter Duft war auch auf der Strasse bei der Durchfahrt zu riechen. Himmlischer Rosenduft lag hier wie eine Dunstwolke durch das ganze Tal in der Luft. In El-Kelaa-el-M’Gouna, Hauptort im Rosental, war die Hauptsrasse gesperrt, denn in der Hauptstrasse war alles vorbereitet für das grosse dreitägige Rosenfest. Ein Polizist leitete den ganzen Verkehr über eine staubige und sandige Pistenstrasse in eine Umleitung. Ich verhandelte kurz mit dem Polizisten wegen der Staubstrasse und unserer Strassemaschinen. Er war sehr verständnisvoll, lachte freundlich und zustimmend, öffnete die Abschrankung, salutierte stramm und liess uns durchfahren. Danke vielmal. Wie Könige fuhren wir auf der beflaggten und mit Tribünen und Marktbuden gesäumten Feststrasse. Dahinter waren grosse Bazare und Souks aufgebaut. Die vielen Leute schauten uns staunend nach und winkten uns fröhlich zu. Ja, da waren wir für einen Augenblick die Attraktion.
Unser Etappenziel Boumalne-de-Dadès ist eine typisch marokkanische Stadt, gebaut mit den traditionellen Lehmhäusern und Kasbhas. Durch den Ort fliesst der Fluss Dades und links und rechts seiner Ufer zieht sich ein grüner Baumgürtel wie ein riesiger Park. Der Ort hat etwa 13000 Einwohner. Im ersten Hotel das wir anfuhren hatte es leider keinen Platz mehr, alle Zimmer waren ausgebucht. Der freundlich Herr an der Rezeption empfahl uns als Alternative das Hotel Le Soleil Bleu. Mit einem Anruf vergewisserte er sich, dass dort noch Platz und reservierte für uns zwei Zimmer. Die Hotelzufahrt führte am Schluss über eine 400 m lange Pistenstrasse, was aber problemlos zu bewältigen war.Das Hotel ist sehr schön gelegen mit einer fantastischen Aussicht über die ganze Stadt. Der Hotelchef hat schon auf uns gewartet und gab uns seine beiden schönsten Zimmer. Mit dem Preis wurden wir schnell einig. Es war wiederum sehr heiss (34°C). Als wir das Gepäck abluden, stellte Fredi plötzlich fest, dass er sein Kontrollschild am Motorrad verloren hatte. Der Hotelchef war uns sofort behilflich und meldete den Vorfall der Polizei. Die Polizei sagte aber, dass für sie dieser Verlust kein Problem sei. Die Papiere und die Nummer im Pass und dem Fahrzeugausweis sind korrekt, und nur das sei wichtig. Er riet uns sogar die Nummer mit Farbe hinten aufzupinseln….
Mein Magen machte mir schon den ganzen Tag zu schaffen. Das Essen von gestern Abend und der Tee beim Frühstück plagten mich immer mehr. Ich hatte starke Magenkrämpfe und später einen zünftigen Durchfall, so dass ich den ganzen Nachmittag und Abend im Zimmer blieb und das Nachtessen ausliess. Bis am Morgen wird es dann wieder gut sein - in sha’allâh!!
Ja, an diesem Tag passierte so einiges. Hoffen wir, dass es morgen wieder etwas ruhiger zu und her geht. Wir haben das Hotel für zwei Nächte gebucht, und werden morgen ohne Gepäck mit den Motorrädern einen Ausflug in die Dades-Schlucht machen
