Goumima, 12.05.09
Auch der Chef Baddou erklärte uns nochmals die Strecke durch die Berge, und versicherte uns, dass wir auch mit unseren schweren Motorrädern die Strecke bewältigen können. Irma gab uns noch eine Adresse zum Übernachten in Marakesch an und eine weitere eines jungen Studenten, der auch Führungen durch die Stadt macht, und den sie auch noch anrief, um ihm unsere Namen durchzugeben. Danke vielmal für diese Unterstützung.
Die Strasse führte geteert aus Tamtattouchte hinaus in eine einzigartige Landschaft. Auf diese Strecke „verirren“ sich nur selten Touristen. Wir waren den ganzen Tag alleine und trafen nur ganz selten mal ein Auto oder einen fahrenden Händler mit seinem Fahrzeug an. Der Weg führte uns bei Nomaden vorbei, deren Kinder ganz interessiert zur Strasse gelaufen kamen, wenn sie die Motoren unserer Maschinen hörten. Leider konnten wir uns mit ihnen nur schlecht verständigen, da sie vor allem arabisch sprachen. Auch in den kleinen verlassenen Dörfern kamen die Dorfbewohner immer an die Strasse gerannt, wenn wir durch fuhren, oder sie winkten uns aus den Feldern oder Gärten freundlich zu.
Und dann führte uns die Strasse in eine riesige Schlucht, wie wir das noch nie erlebt haben. Es war, als ob wir durch den Grand Canyon hindurch fahren würden. Die Schlucht schlängelte sich in vielen Sepentinen dahin und die Strasse immer mitten drin oder ganz nahe an den Felsen entlang. Hinter jeder Kurve eröffnete sich eine neue Überraschung. Wir durchfuhren gigantische Bergkessel, die wie ein Amphitheater aussahen. Die Felsen türmten sich immer mehrere hundert Meter hoch auf. Die Schlucht war an stellen so tief, dass ich an meinem Gerät das GPS-Signal verlor….
Es war einfach nur phänomenal. So etwas hätten wir in dieser Einsamkeit und Abgeschiedenheit nie erwartet. Im unteren Teil der Schlucht (nach ca. 30 km) erwartete uns eine neue Überraschung – eine Furt. Diese war aber nicht trocken, sondern mit Wasser überspült. Fahren war nur ,anz langsam möglich, während dem die anderen mithalfen das Motorrad hinten zu stabilisieren. Der Boden war extrem rutschig, aber wir brachten alle Maschinen heil über die Stelle. Also weiter geht es.
In einem kleinen Dorf machten wir Halt und kauften im Dorfladen Cola und Fanta und assen den mitgenommenen Proviant. Wir glaubten nun aus der Schlucht zu sein, und dass wir nun zügig weiterfahren konnten. Doch nach ein paar Kurven aus dem Dorf standen wir erneut vor einer Furt. Über diese ging eine starke Strömung und das Wasser war zum Teil ziemlich tief. Die Furt war auch nicht überall betoniert und der Grund war steinig. Fahren war unmöglich. Wir suchten uns erstmal zu Fuss einen möglichen Weg für unsere Maschinen, dann schoben wir mit gemeinsamen Kräften jede Maschine einzeln über den Fluss. Ein freundlicher Mann, der zufällig dort war, zog schnell seine Schuhe aus, und half uns schieben. Auch hier ging alles ohne Probleme und wir konnten die Fahrt weiter führen. Die Strasse bog nun erneut in eine grosse Schlucht und bis zum Etappenziel überquerten wir noch viermal den Fluss über solche Furten. Abenteuer pur!!
Müde aber mit fantastischen Erinnerungen trafen wir beim Maison d’Hôtes les Palmiers, bei Madam Odile, ein. Wir verstehen den jungen Lehrer, der uns beim Überqueren einer Furt tatkräftig unterstützte, wenn er sagt: „Diese Schlucht und das ganze Gebiet ist noch „jungfräulich“ und die Landschaft sehr authentisch. Wir Bewohner des Tales hoffen, das das noch lange so bleiben wird“. Wir, die wir das Privileg erhielten, dieses Naturwunder zu erleben, finden das auch und sind ganz seiner Meinung. Deshalb haben wir in diesem Bericht auf Ortsnamen verzichtet. Sorry.
Bei Madam Odile servierte man uns unter Palmen ein köstliches Nachtessen und ich erhielt sogar die Möglichkeit einen Zugang aufs Internet zu erhalten. Danke für dieses Vertrauen.
Die Reise geht nun weiter über einen einsamen Pass (auch ein Geheimtyp von Irma) nach Marakesch.


