Marrakesch, 15.05.09
Heute wollen wir die Stadt Marrakesch ein wenig kennen lernen. Unser Campingplatz liegt etwas ausserhalb der Stadt, deshalb organisierten wir noch am Vorabend ein Taxi. Pünktlich wie vereinbart stand das Taxi für uns bereit.
Die Fahrt war auch für uns ein richtiges Abenteuer. Es ist faszinierend wie der dichte Verkehr, nur ganz selten geregelt mit Lichtsignalen, einfach fliesst und funktioniert. Es erfordert eine grosse Menge an Toleranz von jedem Verkehrsteilnehmer den Anderen gegenüber, dass dies in dieser Weise funktioniert. Auf den Strassen gibt es nicht nur Autos, Taxis, Lastwagen, Busse, riesige Sattelschlepper, sondern dazwischen unzählige Mofas, Fahrräder, Eselskarren und Mulitreiber, Pferdekutschen, Menschen mit vollbeladenen Handkarren und natürlich noch die vielen Fussgänger, die auch versuchen schnell zwischen den Fahrzeugen hindurch zu springen. Die vielen kurzen Hupsignale der Autos werden nicht aus Verärgerung gemacht, sondern sind ein wichtiges Kommunikationsmittel und absolut notwendig um Unfälle zu vermeiden. Ein faszinierendes Schauspiel! Alles ist immer in Bewegung und fliesst….
Wir trafen uns um 09h00 mit unserem persönlichen Stadtführer Mustapha beim Café de France am berühmten Platz Djamâa-el-Fna. Mustapha erwartete uns in traditioneller Kleidung, mit einer langen, weissen Djellabiah, dazu die passenden Babouche an den Füssen und auf dem Kopf das typisch marokkanische Hütchen. Er sah richtig elegant und festlich aus.
Nachdem wir den Preis und unsere Wünsche besprochen hatten, ging die Besichtigung los. Er führte uns durch verwinkelte Medina-Gassen als erstes zum wunderschönen Palais Bahia. In dieser einmaligen Kulisse wurden auch Teile von verschiedenen berühmten Filmen gedreht, z.B. die Gladiatoren oder die Mumie und andere. Auch die geheimnisvollen Saadier-Gräber bei der Kasbah-Moschee, die erst im Jahre 1912 von Archäologen entdeckt wurden, konnten wir besichtigen. Weiter führte er uns durch Markt- und Bazar-Strassen und erzählte uns viel wissenswertes über die Stadt, die Leute, die Versorgung, das Leben in der Medina, das Handwerk, aber auch über die fünf Säulen des Islams und das soziale Zusammenleben im gemeinsamen Glauben mit Toleranz und gegenseitigem Respekt. Da Mustapha als Ergänzung zu seinem Studium in Marrakesch auch noch in Deutschland studiert hatte, sprach er sehr gut deutsch. Er wusste viele interessante Details zu erzählen und kannte auch viele Leute unterwegs. Pia und Christa interessierten sich für Gewürze und Arganöl und löcherten ihn mit Fragen. Er führte uns zu zwei kleinen Geschäften, wo er uns zusammen mit den jeweiligen Geschäftsleuten die Entstehung der Produkte erklärte. Auf jeden Fall sind Fredi und ich seit heute die Ehemänner von zwei stolzen Gewürze- und Arganöl-Besitzerinnen…..
Die Zeit mit Mustapha ging viel zu schnell vorbei. Nachdem er uns noch einige wertvolle Tipps für den Abend auf dem Platz Djamâa-el-Fna gab verabschiedeten wir uns, mit dem Versprechen, in Verbindung zu bleiben.
Danke Mustapha, es war ein unvergesslicher Vormittag in Marrakesch.
Fredi liess sich bei einem Barbier noch den stachligen Bart schneiden, und dann verbrachten wir den Rest des Nachmittages auf dem Campingplatz, am Pool. Denn wir wollten ausgeruht ins abendliche Getümmel auf den Gassen von Marrakesch.
Bei unserer Ankunft um 18h30 auf dem Platz Djamâa-el-Fna war das Fest schon in vollem Gange. Sowas haben wir noch nie gesehen oder erlebt. Überall waren Gaukler, Akrobaten, Hennazeichnerinnen, Wahrsagerinnen, Geschichtenerzähler, Schlangenbeschwörer, Musikanten und Tänzer, und alle hatten eine Menge Leute um sich gescharrt. Der Platz vibrierte von all den Trommelklängen und den verschiedenen Flöten der Schlangenbeschwörer. Im Hintergrund wurden viele Strassenküchen, eine neben der anderen, aufgestellt, und alle versuchten lautstark die Besucher zum Essen der dargebotenen Spezialitäten, wie Schafskopf, Schnecken oder Berbersuppen, zu überzeugen und an die Tische zu bringen. Über dem ganzen lag eine gut riechende Dampfglocke und hüllte den ganzen Platz in ein gespenstisches Licht. Es war einfach nur überwältigend, und wie gesagt, kaum zu beschreiben….
Wir zogen es vor das Nachtessen im Restaurant Riad Omar einzunehmen. Es war wieder echt marokkanisch gekocht und schmeckte köstlich, und was die Hauptsache ist, wir haben es alle sehr gut vertragen…...
Die Reise geht nun weiter über den Pass Tizi-n-Test nach Taroudannt.


