Tafraoute, 17.05.09
Heute verlassen wir das Gebiet des Hohen Atlas und fahren nun in den Anti Atlas. Gemäss unseren Karten hätten wir bis fast nach Agadir fahren müssen, um dann ins Tal von Aït-Baha abzubiegen, da alle Verbindungsstrassen nur unbefestigte Pisten waren. Doch auf einer Karte glaubten wir zu erahnen, dass es auch eine geteerte Strasse geben könnte. Wir beschlossen das vor Ort zu überprüfen….
In Oulad-Teïma tankten wir die Maschinen wieder auf und erkundigten uns an der Tankstelle über die Möglichkeiten, auf einer geteerten Strasse nach Aït-Baha zu gelangen. Freudig strahlend erklärte man uns, dass ab hier eine neue Strecke erstellt worden ist und wir uns den Umweg über Agadir ersparen können. Bevor wir wegfahren konnten, kam noch ein kleiner, taubstummer Schuhputzer vorbei, der uns anbot unsere staubigen Stiefel zu putzen. Da sie es wirklich nötig hatten, gingen wir auf den Handel ein, Kinderarbeit hin oder her. Mit flinken Händen figelte, bürstete, schmierte und glänzte er unser Stiefel, bis dass diese mehr glänzten als dann wo wir sie neu im Laden gekauft hatten. Natürlich erhielt er zum abgemachten Preis noch ein kleines Trinkgeld und durfte als Zugabe auf meine Maschine sitzen, was er triumphierend genoss und alle anderen, die darum standen neidisch mit ansehen durften….
Die empfohlene Route nach Aït-Baha war eine Traumstrecke. Ganz frisch geteert wie ein Teppich, pfeifengerade, topfeben und absolut kein Verkehr. So was hätten wir nicht erwartet. Jetzt konnten wir mal so richtig am Gasgriff drehen und der Motor heulte freudig auf und liess die Pferdchen galoppieren…..
Ab Aït-Baha führte die Route als schmale Bergstrecke dem Jbel Tikwayne entlang. Auch hier eine atemberaubende Streckenführung. Die Siedlungen sind wie Adlerhorste bis an die obersten Felsen gebaut, oder besser gesagt, geklebt worden. Die Strasse war wieder sehr ausgesetzt und man hatte einen fantastischen Blick über die unzähligen Hügel des Anti Atlas. Wie eine riesige Mondlandschaft lag das Land bis zum Horizont zu unseren Füssen. Überall konnte man verstreut in den Tälern kleine Orte oder Siedlungen sehen. Während 40 km schlängelte sich die Strasse, immer auf ca. 1200 müM bleibend, in unzähligen Kurven den Berghang entlang. Es war eine richtige Genussfahrt, auch wenn die Strecke nach aussen nirgends gesichert war. Doch langsam haben wir uns an solch luftige Streckenführungen gewöhnt….
In Tafraout machten wir Halt im schönen Hotel Saint Antoine, zu dem uns ein junger Berber mit seinem Mofa führte. Da im ganzen Dorf an verschiedenen Orten die Strasse aufgerissen war, mussten wir mit unseren Maschinen durch die holprigen Baustellen fahren. Aber auch das haben wir mittlerweile gut im Griff. Das Nachtessen assen wir im Restaurant L’Etoile d’Agadir, das ein beliebter Treffpunkt der Dorfbewohner ist und bekannt für das gute Essen ist.
Morgen schalten wir einen Ruhetag ein und geniessen die Sonne von Tafraout und den Pool im Garten von unserem Hotel. Ein kleiner Bummel durch das Dorf mit seinen vielen Handwerksläden und Babouche-Herstellern ist etwa das höchste an Anstrengungen, was wir uns morgen zumuten werden…..
Am 19.05.09 geht die Reise weiter in Richtung Atlantik in die Gegend von Tiznit. An diesem Tag werden wir den südlichsten Punkt unserer Reise erreichen.


