El Jadida, 22.05.09
Heute stand uns eine schöne Fahrt bevor, die über 250 km direkt der Küste entlang führen wird. Das Frühstück bestellten wir auf 07h30 und machten aber vorher schon unser ganzes Gepäck transportbereit. Da die schöne und sehr lebendige Medina von Essaouira verkehrsfrei ist, mussten wir unsere Motorräder beim Bab Es Saba vor der Stadtmauer auf einem öffentlichen Parkplatz abstellen. Für den gesamten Transport von all dem Gepäck der Touristen, aber auch von allen Waren, die in oder aus der Medina geführt werden müssen, stehen Männer bereit, die diese Güter mit kleinen Handwagen durch die engen Gassen führen. Also bestellten wir telefonisch unseren Gepäcktransporteur, der uns schon bei der Ankunft behilflich war und uns freundlicherweise seine Handynummer überlassen hatte, für 08h30 vor das Hotel.
Das Frühstück war wieder ausgesprochen reichhaltig und wurde uns in einem sehr schönen Raum im Erdgeschoss serviert, so dass wir den einzigartigen Charme dieser Riad nochmals geniessen konnten. Diese freundlichen jungen Leute geben sich enorm viele Mühe, dem Gast einen angenehmen und unvergesslichen Aufenthalt zu garantieren. Der Abschied war sehr herzlich und wir bedauerten, dass wir nicht noch länger bleiben konnten….
Pünktlich stand der Gepäcktransporteur mit seinem Handkarren vor der Tür und half uns beim beladen des Wagens. In zügigem Schritte ging es dann durch die Gassen, die jetzt noch ziemlich leer und verschlafen waren, zu unseren Maschinen vor dem Stadttor. Unter den Augen von vielen Leuten, die um uns herum standen, beluden wir die Maschinen und verliessen dann mit dröhnenden Motoren diesen schönen und sehr zu empfehlenden Ort.
Die gut geteerte Strasse führte uns erstmal ein wenig ins Hinterland und war dann plötzlich bei einer riesigen Baustelle zu Ende denn die ganze Strasse wurde ab hier über mehrere Kilometer vollständig neu gebaut. Der Verkehr wurde einfach auf eine sehr breite, aber unbefestigte Piste geleitet, die parallel zur Baustelle geführt wurde. Vorsichtig fuhren wir mit unseren schweren Motorrädern auf dieser zum Teil sehr holprigen Piste und versuchten den grössten Löchern und tiefen Sandstellen auszuweichen. Den Autos, Lastwagen und grossen Sattelschleppern ging das aber zu langsam und wir wurden beidseitig überholt, wie es gerade wegen dem Gegenverkehr und Platzverhältnissen möglich war. Wir konnten zum Teil fast nichts mehr sehen wegen den riesigen Staubwolken und die schwarzen und russigen Dieselschwaden raubten uns fast den Atem. Das Helmvisier geschlossen, aber lauthals fluchend und hustend steuerten wir dem Ende der Baustelle entgegen, das wir dann auch ohne Schaden erreichten. Es war schon fast ein bisschen höhnisch, wie uns jeder Lastwagenchauffeur aus seiner Kabine zuwinkte und dazu laut hupte…..
Ab dieser Baustelle war die Fahrt dann das reinste Vergnügen. Die Route führte fast immer ganz nahe der Küste entlang. Das Land ist hier sehr fruchtbar. Es gibt hier viele Gemüse- und Getreidefelder, aber auch riesige Treibhäuseranlagen. Mit Eseln wird das reife Gemüse von den Feldern zur Strasse gebracht, wo es dann mit kleinen Lastwagen abgeholt wird. Von der Gegend her glaubte man zum Teil, man fahre durch die Gemüsefelder bei uns im Seeland….
Hohe Schlote und penetranter Fischgeruch kündigten den Industrieort und Sardinenhafen Safi an. Überrest wie die Umfassungsmauer der Medina und die Ruinen des Château de la Mer erinnern an die Herrschaft der Portugiesen. Wir tankten hier unsere Maschinen wieder auf und machten eine Rast in einem kleinen Café an der Strasse. Wir hatten einen wunderbaren Blick auf die Strasse und beobachteten das kunterbunte Treiben des Mittagsverkehrs…..
Unsere Fahrt ging nun weiter, mit zum Teil atemberaubend schönen Küstenabschnitten, über Oualidia in Richtung El Jadida. In einem kleinen Ort, wo es keine Touristen gab, aber viele Gemüse- und Früchtestände, machten wir in einem marokkanischen Strassencafé einen Halt. Die Frauen kauften an den Ständen Brot, Gemüse und Früchte für das Mittagessen, während Fredi und ich im Café schon mal den Tee und die Cola’s bestellten, und die ersten Fragen der anderen Gäste und des Wirtes beantworteten. Auch die beiden Bettler kamen schnell vorbei um ihren Dirham abzuholen, und dann konnten wir in Ruhe unser Mittagessen geniessen…..
El Jadida war im 16. Jahrhundert eine befestigte portugiesische Kolonie und wurde1769 von den Marokkanern zurückerobert. Die Einflüsse der portugiesischen Architektur sind aber noch überall bei den alten Gebäuden sichtbar. Wir bezogen Logis in einem Hotel etwas ausserhalb der Stadt, doch direkt am flachen Sandstrand gelegen. Ein traumhafter Standort, und initialisiert durch den Hoteldirektor, der lange Jahre in der Schweiz arbeitete, erhielten wir zwei schöne Zimmer mit Meersicht. Super und vielen Dank.
Gegen Abend spazierten wir der Strandpromenade entlang in die Stadt und schlenderten durch den grossen Bazar in den engen Gassen der Altstadt. Da es hier keine grossen Einkaufsläden gibt, sind es diese kleinen Läden in den Gassen wo die Marokkaner ihr Essen und die Waren für den täglichen Gebrauch einkaufen. Hier spürt man das Leben der Leute und die Atmosphäre pulsiert. Es gibt hier auch nur selten Touristen, die sich in diese Gassen getrauen, doch uns hat es fast magisch immer wieder an diese Orte gezogen. Hier findet man einfach alles, aber man darf auch nicht heikel sein, denn wir bewegen uns da in einer anderen Kultur. Auf dem Grill kochen überall ganze Schafsköpfe, die aber sehr fein und würzig riechen, die Hühner werden lebend angeboten, ausgewählt, gewogen und dann gekauft, und das Gemüse oder die Früchte kann man einzeln kaufen, d.h. in den Mengen wie man das an diesem Tag gerade benötigt. Und morgen kauft man wieder frisches Gemüse bei seinem Lieblingshändler…..
Für das Nachtessen fanden wir ein kleines marokkanisches Restaurant, wo im hinteren Teil drei Frauen (Grossmutter, Mutter und Tochter) das bestellte Essen an der offenen Küche in traditioneller Weise direkt zubereiten. Die beiden Söhne kümmerten sich um die Gäste und waren für den Service zuständig. Das Essen war fantastisch und richtig schön zubereitet. Es war unglaublich, was diese drei Frauen aus der einfachen Küche „zaubern“ konnten. Ein Restaurant, das sehr zu empfehlen ist.
Die Reise geht nun weiter nach Rabat.
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