Rabat, 23.05.09 

In der Nacht hat es leicht geregnet, doch am Morgen schien wieder die Sonne und wir hatten erneut schönstes Reisewetter. Ein grosses Frühstücksbuffet, wie das in den Ibis-Hotels üblich ist, erwartete uns im Speisesaal. Auch der Hoteldirektor kam nochmals persönlich bei uns vorbei, um uns eine gute Weiterreise und unfallfreieRückfahrt in die Schweiz zu wünschen. Wir bepackten wieder unsere Maschinen und waren um 09h30 bereit für die  Abfahrt in Richtung Casablanca.  

Bis Azenmour fuhren wir auf der grossen Hauptstrasse und wechselten dann auf die stark befahrene Küstenstrasse R320. Dieses Teilstück der heutigen Strecke führte uns durch ausgedehntes Agrarland mit Treibhäusern und Feldern nach Casablanca. Je näher wir der Stadt Casablanca kamen, umso dichter und vor allem umso hektischer wurde der Verkehr. Es wurde auch viel schneller und dichter nebeneinander gefahren. Die Überholmanöver wurden immer riskanter, und werden auch bei Gegenverkehr, mit protzigem Machogehabe und durch abwürgen der halben Fahrbahn des Entgegenkommenden, durchgeführt. Um da ungeschoren durchzukommen gab es nur eins – einfach frech “mitschwimmen“ und versuchen links und rechts genügend Marge einzusetzen….      

Und dann standen wir da! Vor der grossen und imposanten Moschee Hassan II. Ein riesiges Bauwerk, das in seiner einfachen Schlichtheit trotzdem wieder gigantisch und prachtvoll wirkte. Wir stellten unsere Maschinen vor der Moschee an einem verbotenen Ort ab und machten ein paar Fotos, um unsren Besuch von Casablanca zu dokumentieren. Sofort war einer der fliegenden Parkwächter zur Stelle und wollte uns aus dem Parkverbot vertreiben. Als er dann aber sah, dass die vorbei patrouillierende Polizei uns freundlich grüsste und salutierte, liess er uns in Ruhe und wir konnten unsere Fotos ohne weitere Störungen fertig “schiessen“….      

Hinter Casablanca, im Städtchen Mohammedia, machten wir in einem kleinen, modernen Café eine Rast, und liessen uns einen feinen Capuccino servieren. Der weitere Streckenverlauf bewegte sich nicht mehr direkt an der Küste entlang. Aber weiterhin fuhren wir durch sehr fruchtbares Gebiet, und über all der Strasse entlang wurde das Gemüse und die Früchte feldfrisch angeboten.           

Kurz vor Rabat kamen wir wieder ganz an die Küste und fuhren dem Meer entlang bis an den Stadtrand von Rabat. Wie immer suchten wir im Reiseführer nach einem geeigneten Hotel und entschieden uns für das Ibis, weil dieses in meinem Navi schon gespeichert war. Gebannt auf das Navi starrend fuhren wir durch die stark befahrenen Strassen von Rabat, doch das Hotel Ibis konnten wir am angezeigten Standort einfach nicht finden. Wie sich später heraus stellte, waren die aus dem Internet abgezogenen und einprogrammierten Koordinaten im Navi falsch…..    

Gemäss Navi befanden wir uns durch die Sucherei plötzlich ganz in der Nähe eines schönen Campingplatzes direkt beim Hafen von Rabat und Salé. Also steuerten wir diesen Ort an, denn meistens gibt es auf den Campingplätzen auch Bungalows zu mieten. Doch welche Überraschung als wir am vermeindlichen Standort des Camings ankamen – es war einfach nichts da! Absolut nichts! Alles platt gepflügt und planiert. Mitten durch das riesige Gelände führte eine zweispurige, mit Sand überblasene, Strasse mit grossen Kreiseln, die aber vollkommen leer und ohne Verkehr war. Das Rätsel löste sich, nachdem wir mit einem Parkwächter gesprochen hatten. Er erklärte uns mit traurigen Worten, dass der Campingplatz nicht mehr existierte und auch das ganze Viertel abgerissen und platt gewalzt wurde. An der breiten Geisterstrasse sollen viele neue Hotels und Restaurants für die Touristen gebaut werde.                 

Es war uns schon vorher aufgefallen, dass in dieser Stadt eine gigantische Bautätigkeit im Gange war. Ein grosser Tunnel wird zwischen Rabat und Salé unter dem Meeresarm hindurch gebaut und zusätzlich soll auch eine Tramlinie zwischen den beiden Städten entstehen. Doch all das half uns nicht weiter um ein Hotel für die Nacht zu finden…..  

Als nächste Adresse peilten wir das Hotel Royal an. Bei einem Taxistand wollten wir ein “Petit Taxi“ mieten, damit er uns voraus fahrend zum Hotel führen könnte. Doch der Taxichauffeur erklärte uns freundlich, dass das nicht notwendig sei, denn das Hotel sei nur ein paar Strassen weiter und ganz einfach zu finden - In sha’allâh!  Doch leider auch mit diesen Erklärungen fanden wir das Hotel in diesen engen Gassen nicht!                   

Also musste jetzt der Plan B eingesetzt werden, d.h. wir schickten die Frauen alleine zum nahen Taxistand der “grossen Taxis“, um nach dem Weg zu fragen. Von weitem beobachteten Fredi und ich das riesige Palaver, das die Beiden mit ihrer Frage auslösten, doch schlussendlich einigten sich alle für eine einfache Streckenvariante, die sogar für Europäer zu finden sei. Und dieses Mal funktionierte es – wir fuhren mit den erhaltenen Angaben direkt vor das Hotel. Es lag in der Nähe der Medina und direkt in einem sehr lebhaften Wohnquartier. Wir erhielten zwei Zimmer im vierten Stock, mit Balkon und einer wunderbaren Aussicht auf die Stadt. Zum Glück war ein Lift vorhanden, wenn auch nur ein etwas altersschwacher, so dass wir unser Gepäck einfach in die Zimmer schaffen konnten….    

Vor dem Essen machten wir natürlich erst noch einen ausgiebigen Spaziergang in die engen Gassen der Medina. Auch hier herrschte ein buntes Treiben auf den Strassen. Das Nachtessen assen wir im traditionellen Restaurant El Bahia, das direkt in die Stadtmauern gebaut worden war. Die Bedienung war sehr freundlich und das Essen ausgesprochen gut. Für den Kaffee und das Dessert gingen wir dann anschliessend in die feine Confiserie, die wir nahe bei unserem Hotel entdeckt hatten. Wir bestellten alle eine kleine Variation von den sündhaft guten Köstlichkeiten aus der reichhaltigen Vitrine. Und dazu einen excelenten Kaffee Capuccino mit sehr viel Rahm. Mmmhh, köstlich..….      

Morgen geht nun die Reise in die letzte Etappe bis in die Gegend von Tanger.