Tanger (Grottes d’Hercule), 24.05.09
Da unsere Motorräder die ganze Nacht durch auf dem Trottoir direkt vor dem Hotel abgestellt standen, war unser erster Gang am Morgen zu den Maschinen um zu prüfen, ob noch alles in Ordnung sei. Sofort kam der selbsternannte Nachtwächter dazu und erzählte uns, dass alles ok sei, und er die ganze Nacht auf unsere Maschinen geachtet habe. Selbstverständlich erwartete er eine kleine Entschädigung für seine guten Dienste, was wir ihm auch gerne zugestanden und in die Hand drückten.
Das Morgenessen war sehr fein und reichhaltig, sogar eine grosse Omelette wurde uns neben der üblichen Frühstücksauswahl serviert. Das Personal war wieder ausgesprochen freundlich und zuvorkommend und half uns auch beim herunter tragen des Gepäcks. Die Maschinen waren schnell gepackt und ein weiterer Nachtwächter der dazu kam und den wir mit ein paar Dirahms beglückten half uns, indem er den Verkehr und die Fussgänger mit wild fuchtelnden Gesten dirigierte, so dass wir sicher vom Trottoir wieder auf die Strasse fahren konnten. Typisch marokkanisch eben……
Die Fahrt durch den Stadtverkehr am Sonntagmorgen verlief problemlos und schon bald fuhren wir wieder auf der Hauptstrasse durch sehr fruchtbares Agrarland. Die Strassen waren zum grössten Teil in einem sehr guten Zustand, was auch eine höhere Reisegeschwindigkeit zuliess. Von Kenitra bis Larache führte die Route über 150 km wieder von der Küste weg ins Landesinnere durch riesige, sich bis zum Horizont erstreckende, Gemüse-, Getreide- oder Sonnenblumenfelder.
Im Ort Souk-el-Arba-du-Rharb machten wir für das Mittagessen einen Halt in einem marokkanischen Strassencafé. Schon als wir die Motorräder am Strassenrand abstellten, winkten uns von rundherum die Stand- und Café-Besitzer zu, um uns ihren “Laden“ zu empfehlen. Wir kauften schnell einige Früchte beim fliegenden Händler mit seinem Handwagen ein und setzten uns dann in ein Café, von wo aus wir das Geschehen auf der Strasse, aber auch unsere Maschinen, gut beobachten konnten. Bei den Motorrädern hat sich sofort ein Wächter mit einer gelb leuchtenden Sicherheitsweste postiert, und er gab uns über die Strasse mit Handzeichen zu verstehen, dass wir in Ruhe essen könnten, während dem er auf unsere Fahrzeuge achte. Und wirklich, verjagte er mit wichtigem Getue und sehr theatralisch alle Leute, die sich den Maschinen aus seiner Sicht zu Nahe näherten……
Wir bestellten Getränke und einen grossen Tomatensalat mit Zwiebeln, den der Koch und Grillmeister direkt vor unseren Augen zubereitete. Dazu assen wir feines Fladenbrot und die mitgebrachte Früchte vom Stand nebenan. Es war sehr lecker und wir fühlten uns extrem wohl hier, so dass Fredi und ich den schönen Moment noch mit einem feinen Tee und dem dazugehörenden marokkanischen Zeremoniell krönend abrunden. Der flinke Kellner war ganz entzückt, dass wir in dieser Art und Weise bei ihm Halt gemacht hatten. Wie er uns sagte, essen in diesen kleinen Strassencafés eigentlich nur die Marokkaner, und nur ganz selten machten Touristen in dieser Umgebung Rast. Aus unserer Sicht eigentlich schade, denn es ist genau hier, wo wir die Herzlichkeit und die grosse Gastfreundschaft der Marokkaner immer wieder hautnah und authentisch spüren konnten.
Wieder bei den Maschinen erzählte uns der Wächter mit wie viel Einsatz er unsere Fahrzeuge bewacht hätte und dass alles in Ordnung sei. Wir bedankten uns bei ihm genau so freundlich und zeigten ihm mit ein paar Dirhams die wir ihm in die Hand drückten, dass wir seine Dienste sehr schätzten. Und er zeigte uns, dass er mit dem Lohn zufrieden war, in dem er uns beim Wegfahren noch tatkräftig behilflich war und uns freundlich nachwinkte……
Unsere Fahrt führte uns weiter durch fruchtbares Land, um dann bei Larache wieder an die Küste zu stossen. Vor Tanger verliessen wir die Hauptstrasse und bogen nach links ab in Richtung der Herkulesgrotten. Der Reiseführer versprach ein schönes Hotel mit dem Namen Robinson Beach, direkt neben den Grotten und einem schönen Sandstrand. Doch das Hotel existiert nicht mehr. Die Gebäude waren verlassen und sind zum Teil schon stark eingefallen. Wir fanden aber schöne und neu renovierte Bungalows im daneben liegenden Campingplatz. Die Motorräder konnten wir direkt vor den Bungalows abstellen. Also ein idealer Ort für unsere Bedürfnisse.
Bei den Grotten war ein riesiger Rummel. Viele Autos zwängten sich auf den kleinen Parkplatz bei den Grotten. Alle versuchten einen Parkplatz direkt vor Ort zu finden. Es war ein riesiges Chaos und trotzdem eine entspannte und freundliche Atmosphäre. Touristenbusse waren keine da, denn diese vermeiden am Sonntag diese marokkanischen Ausflugsziele. Wir waren wider mal die einzigen Touristen und bewegten uns wie Exoten unter all den festlich gekleideten Marokkanern. Wir wurden aber überall freundlich gegrüsst und willkommen geheissen.
Direkt auf den wasserumspülten Klippen setzten wir uns an ein kleines Tischchen und bestellten das Nachtessen, das auf kleinen Grills direkt am Strand zubereitet und gekocht wurden. Pia und Christa bestellten beide eine Tajine mit Fisch und Fredi und ich hatten Lust auf die feinen gegrillten Sardinen. Alles frisch und traditionell zubereitet. Es war ein richtiges Festessen und dazu konnten wir einen einmaligen Sonnenuntergang bestaunen, der unseren Paparazzi Fredi mit seinem Fotoapparat entzückt von Klippe zu Klippe springen liess, immer auf der Suche eines noch besseren Standortes…..
Mit einem heissen Pfefferminztee setzten wir diesem schönen und fast schon romantischen Abend ein unvergessliches Krönchen auf, und gingen dann zurück zu unseren Bungalows.
Morgen ist unser letzter Tag in Marokko.
