Tag 09 – 21.08.2010 – Tetovo

Auch heute frühstückten wir bei schönstem Wetter auf der Terrasse direkt am See. Doch diesmal wählten wir Tee oder Milch, denn der Kaffee gestern konnte man zwar trinken, war aber eine helle, undefinierbare Brühe mit feinem Kaffeepulver, das irgendwie obenauf schwamm und beim trinken im Hals kratzte…..

Punkt 10h00 war alles wieder gepackt, das Zimmer bezahlt und wir bereit für die Weiterfahrt. Viele Hotelgäste kamen ebenfalls vor das Hotel, wünschten uns gute Reise und winkten hinter uns nach. Wir nahmen die alte Strasse bis Struga, wo Christa die Ansichtskarte in den Briefkasten warf und Pia am Bankomat noch mazedonische Denar “kaufte“. Dazu mussten wir eine Schlaufe durch die engen Strassen der Stadt machen, was natürlich bei den Leuten wieder grosses Staunen verursachte….  Auch die Maschinen wurden noch voll getankt, bevor wir uns auf den Weg in Richtung Debar machten….

Die Strasse war erstaunlich gut und führte durch ein enges Tal dem Fluss Crni Drim entlang. Bald schon schlängelte sich die Route in unzähligen Kurven einem langen Stausee entlang. Verkehr hatte es praktisch keinen. Ab Debar verschlechterte sich der Strassenzustand und man musste höllisch aufpassen und vorsichtig um die vielen Löcher und schadhaften Stellen kurven… Doch einige Kilometer hinter Debar besserte sich die Strasse und wir konnten wieder entspannter fahren…. 

Die Fahrt liess auch heute unsere Motorradherzen höher schlagen. Wie an einer Perlenkette aufgereiht schlängelten wir um die genussvollen Kurven und erreichten den See Mavrovsko ezero auf 1320müM. Unser nächstes Ziel war der Ort Gostivar, wo wir eigentlich die Übernachtung vorgesehen hatten. Wir durchquerten das ganze Städtchen, fanden aber nirgends ein Hotel. Also fuhren wir weiter bis nach Tetovo.

Mit dem Navi peilten wir ein Hotel mitten in der Stadt an. Die Temperatur lag wieder mal bei 38°C und im Stadtverkehr herrschte eine flimmernde Hitze…. Auch die Fahrweise in den Städten ist für uns sehr gewöhnungsbedürftig, denn auf dem ganzen Balkan kennt man keinen Rechtsvortritt…. Jeder fährt in die Strassen oder über die Kreuzungen, zwar vorsichtig, aber einfach irgendwie oder so wie es dann geht…. Die Fahrzeuge werden dort abgestellt, wo der Fahrer was zu erledigen hat und auch wenn das in der zweiten Reihe mitten auf der Fahrspur ist…. Dann fährt halt jeder um das Hindernis herum…. Auch die Kreisel sind ein Thema für sich. Wie uns Bexhet erklärte, gibt es diese Dinger seit eins zwei Jahren. Wie man diese Kreisel fährt wird jetzt erst in den Fahrschulen gelehrt, doch alle anderen kennen die Kreiselregeln nicht und fahren die Dinger, zwar vorsichtig, aber einfach irgend wie…..

Das Hotel in der Stadt existierte nicht mehr und wir fuhren wieder quer durch die Stadt zum Hotel EMKA, das am Stadtrand liegt. In diesem 4-Stern Hotel fanden wir tolle Zimmer für 35 Euro/Zimmer, inklusive Frühstück….   

Das Nachtessen nahmen wir im schönen und sehr vornehmen Hotel-Restaurant. Die Kellner waren elegant gekleidet und bewegten sich sehr gekonnt und bedienten die Gäste professionell…… – glaubten wir wenigsten…..

Zu unserem Essen bestellten wir eine gute Flasche Wein. Der Kellner brachte sie an den Tisch, liess mich die Temperatur fühlen und schenkte mir dann zum probieren ein. Nachdem ich zustimmte, dass der Wein gut sei, begann er bei mir mit Einschenken. Er füllte aber das Glas s stark, dass wir schon alle voraus sahen, dass dies nicht für sieben Gläser reichen kann….    Beim fünften Glas merkte es auch der Kellner, doch er machte unbeirrt weiter und schenkte diesmal etwas weniger ins Glas. Beim sechsten Glas noch etwas weniger und beim letzten Glas nu noch ein keiner Schluck. Dann schaute er uns ganz erstaunt mit einem treuherzigen Dackelblick an und meinte: „“Oh je – Entschuldigung, es hat nicht gereicht….“ Wir bestellten dann noch eine zweite Flasche und bemerkten dann, dass hinter der Theke Hektik aufgekommen war. Dann kam ein anderer Kellner mit einer neuen Flasche Wein, doch diese hatte eine andere Etikette….. Jetzt war guter Rat teuer!  Doch unser Kellner wusste sich zu helfen – er schüttete an der Thee den neuen Wein in die leere Flasche und kam dann freudestrahlend an den Tisch und wollte dann die drei letzten Gläser auch noch nachfüllen….. Wir unterbrachen jedoch sein Vorhaben und sagten ihm, dass wir sein Manöver an der Theke gesehen hätten, und dass wir die Flasche des zweiten Weines gerne gesehen hätten. Er lief ganz rot an und setzte wieder den Dackelblick auf..... Die Flasche hat man uns dann später gezeigt, nachdem ein anderer Kellner im nahe gelegenen Getränkeladen vier neue Flaschen eingekauft hatte…..

Ich kann euch sagen, wir amüsierten uns köstlich und übrigens - den Kaffee nach dem Essen hat man uns dann grosszügig offeriert….. 
Ja, wie sagt man doch so schön: “Wer eine Reise tut, der kann was erzählen…“

 Track Ohrid - Tetovo