Reisebericht 8

Nachdem alles gepackt war und das Hotel bezahlt – fing es an zu regnen!!! Es hatte aber immer noch helle Stellen am Himmel, so dass man nicht richtig wusste, wie sich das Wetter weiter entwickeln werde. Also beschlossen wir erst mal abzuwarten und im Café Mido, das wir von gestern Abend kannten, einen feinen Kaffee zu trinken.

Der Kaffee war sehr gut – aber es regnete weiter und jetzt war alles verhangen und grau in grau. Also zogen wir das Regenzeug an und machten uns auf den Weg in Richtung Inebolu, das direkt am Schwarzen Meer liegt. Die Strasse war sehr gut und führte uns in schönen Kurven in die Berge und auf einen Pass von ca. 1200m Höhe. Kurz vor dem Pass gerieten wir in extrem dichten Nebel und dazu regnete es recht stark. Durch den Bebel konnten wir nur ganz langsam fahren, damit wir die Kurven und die Fahrbahn einigermassen sehen konnten. Wegen des langsamen Fahrens kam kein Fahrtwind an den Helm und das visier wurde beschlagen und das Wasser blieb haften – d.h. Sicht gleich Null!!! Vorsichtig und konzentriert fuhren wir weiter bis der Bebel auf ca. 600m plötzlich weg war. Ab hetzt ging es wieder zügig voran.

In Inebolu drehten wir nach links und fuhren nun auf der Küstenstrasse dem Schwarzen Meer entlang in Richtung Amasra. Die Strasse führte aber nicht, wie wir uns das vorgestellt hatten immer schön auf Meereshöhe dem Ufer entlang, sondern windete sich immer wieder hoch den Berghang hinauf und dann wieder runter ans Meer, und schon ging es wieder den Berg hinauf – eine richtige Berg- und Talfahrt. In engen und unzähligen Kurven schlängelte sich die schmale Strasse der Küste entlang. Zum Teil war die Streckenführung sehr gewagt und schwindelerregend ausgesetzt. Leitplanken oder Sicherheitszäune gab es deine – und man konnte tief unten das Wasser des Meeres sehen. Die Strecke von Inebolu nach Amasra ist in Luftlinie ca. 100km weit, in Realität ist die Strassenstrecke aber 170km lang!!!

In einem ganz abgelegenen Dörfchen machten wir bei einem kleinen Restaurant einen Halt und tranken einen Cay, um uns wieder aufzuwärmen. Mit dem Regen war es ziemlich kühl geworden. Neben dem Restaurant stand auch eine Moschee, so dass das Problem mit dem WC auch geregelt war. Der Wirt schenkte uns die getrunkenen Cay’s und wünschte uns eine gute Reise – Herzlichen Dank. Ab Cide regnete es nicht mehr und die Strasse war trocken. Hetzt konnten wir die vielen Kurven so richtig geniessen. In flottem Tempo kamen wir jetzt zügiger voran.

In Kurucasile machten wir nochmals Rast und assen eine Kleinigkeit im Restaurant. Fredi und Christa je eine Suppe und ich Poulet Fleisch mit Reis. Gegen 18h30 kamen wir in Amasra an und bezogen zwei Doppelzimmer im Hotel Isikaltin. Ein kurzer Bummel durch das Städtchen und dann Nachtessen im Fischrestaurant direkt am Wasser. Es schmeckte vorzüglich.

Heute ist der 23.05.2016 und wir machen einen Ruhetag im schönen Städtchen Amasra. Am Morgen regnete es und der Himmel war total verhangen. Also nahmen wir es sehr gemütlich und blieben auch nach dem Frühstück noch etwas sitzen und plauderten zusammen. Und siehe da – es hat aufgehört zu regnen.

Wir machten uns also bereit um auf Erkundungsbummel zu gehen. Zuerst spazierten wir durch den Park und gingen zur Meeresbucht, in welcher wir gestern die Delphine springen gesehen hatten. Immer wieder werden wir von herrenlosen Hunden begleitet, von denen es überall in der Türkei sehr viele hat. Sie sind jedoch immer sehr ruhig und zutraulich. Wir haben so nie einen aggressiven oder bösen Hund getroffen. Nachher schlenderten wir durch die Bazar-Strasse und kamen so auf die andere Seite der Halbinsel von Amasra. Hier ist ein grosser Hafen mit einer hohen und langen Hafenmauer. Es sind auch Fischerbote hier vertäut. In einer Patisserie tranken wir einen Kaffee und assen etwas Kuchen. Beim Bezahlen schenkte uns die Frau an der Kasse eine Handvoll grüne Pflaumen, die sehr gut schmeckten.

Nach einer Siesta verabredeten wir uns für 18h00. Wir spazierten noch weiter durch die Gassen der Stadt und auch auf den Stadthügel mit den Burg- und Mauerresten. Das Nachtessen nahmen wir in einem Fischrestaurant direkt am Meer. Das Essen war vorzüglich und die Stimmung mit den 12 Damen am Nachbarstisch ausgelassen. Es war ein richtig gemütlicher Tag und Abend.

Heute früh schon kündigte sich ein prächtiger Tan an. Tiefblauer Himmel und Sonnenschein. Also hiess es vorwärts machen: frühstücken, Zimmer räumen. Motorräder bepacken, Zimmer bezahlen und dann ab – on the road again.

Da die Maschinen in die falsche Richtung standen, führte uns das Navi auf der gleichen Strasse aus der Stadt, auf der wir schon vorgestern angekommen sind. Das war uns aber gerade recht, denn so kommen wir an einem Aussichtspunkt vorbei, von dem aus man eine fantastische Sicht auf Amasra und das Meer hat. Bei diesem Punkt stellten wir die Maschinen ab und machten die Fotoapparate bereit. Am Strassenrand sassen vier Türken an einem Campingtischchen, auf dem das Frühstück aufgedeckt war. Das Rührei in der Pfanne war gerade fertig und duftete herrlich. Die Vier sprachen mich an und luden uns spontan ein, mit ihnen zusammen zu frühstücken. Unser Einwand, dass wir schon gegessen hätten wurde überhört – noch drei weitere Klappstühle dazu gestellt und schon sassen wir mit ihnen zusammen am Tisch und frühstückten. Sie teilten einfach alles mit uns – ohne Hemmungen und ohne Berührungsängste. Als Dank und kleine Gegenleistung holte ich das Schwyzerörgeli aus dem TopCase uns spielte einige Stückli. Hei war das eine Überraschung für unsere Gastgeber – sie freuten sich wie Kinder, strahlten mit leuchtenden Augen und freuten sich riesig über die Darbietung. Sie verabschiedeten sich sehr herzlich von uns mit einer Umarmung und dem freundschaftlichen, beidwangigen Abschiedskuss, der hier unter Brüder und Freunden üblich ist. Diese Geste hat nun aber uns sehr überrascht und gefreut, und wir fühlten uns sehr geehrt. Danke liebe Freunde, das werden wir nie vergessen!!!

Wir fuhren an Bartin vorbei, wo wir auch unsere Tanks wieder füllten. Eine schöne Strasse führte uns durch ein langes Tal immer schön dem Fluss Ova Cayi entlang. In Safranbolu machen wir eine Rast mitten in der Stadt. Die Maschinen stellten wir bei einem Parkwächter auf einen freien Parkplatz. Der Parkwächter, der bei allen Automobilisten sofort die Parkgebühr einzog, kam zu uns hin und staunte über die Motorräder. Bezahlen müssen wir nichts, mit den Händen und der Gesichtsmimik gab er uns zu verstehe, dass alles ok sei und wir die Maschinen hier stehen lassen können. In einer Patisserie – wir lieben die türkischen Patisserien, bestellten wir einmal mehr Kaffee und Kuchen. Im Restaurant gab es kein WC doch ganz in der Nähe war ein öffentliches und sehr sauberes WC. Es kamen auch viele Gläubige hier hin, um vor dem Gebet in der Moschee noch die Füsse zu wachen.

Die Weiterfahrt führte uns an Karabük vorbei und auf der Strasse 755 durch ein weiteres Tal bis hin zur Hauptstrasse Nr.100. Diese Hauptstrasse ist die direkte Verbindung von Istanbul in Richtung Ostanatolien. Dementsprechend ist sie auch stark befahren, vor allem von Lastwagen. Diese Strasse führte uns auch über einen Pass von 1050m Höhe, von wo sich uns eine schöne Aussicht bot. Bei einer gemütlichen Cay-Bude machten wir Rast und tranken Tee und Kaffee. Der Restaurantbesitzer und seine Frau freuten sich riesig, dass wir bei ihnen eingekehrt waren. Bis Bolu waren es noch etwa 40km. Aus dem Reiseführer schrieben wir das «Bolu Thermal Hotel» auf und fuhren dieses per Navi auch an. Es lag etwa 10km ausserhalb von Bolu und zwar in Karacasu. Das Hotel sah gut aus und versprach eine interessante Infrastruktur. Hallenbad, Haman, Thermalbad, Massagen, Sauna, türkisches Bad etc. etc. Also blieben wir und checkten für eine Nacht ein.

Als erstes wollten wir das Hallenbad benutzen. Wir stürzten uns in die Badehose und im Bademantel und in den Badelatschen irrten wir durch die Gänge und Etagen, bis wir das Hallenbad fanden. Die Halle war dunkel, d.h. es hatte kein Licht, in der Halle war es ziemlich kühl und das Wasser war saukalt. Auch Christa, die schon im Himalaya auf 5000m in einem Bergsee badete, ging da nicht rein – es war einfach zu kalt. Also zogen wir uns diskret zurück und besichtigten die anderen Installationen. Es entsprach aber nichts unseren Vorstellungen. Die Sauna war kalt und «müffelte» und im Hamam war es schön warm, aber Bay und Bayan immer schön getrennt – und das ohne Ausnahme. Also liessen wir das.

Das Nachtessen im Hotel war hingegen sehr gut und reichhaltig. Also schlussendlich war es ein schöner und erfolgreicher Tag.